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Möglichkeiten der Kastration

Gründe für eine Kastration
  • Verhinderung der Fortpflanzung, insbesondere wenn Rüde und Hündin in einem Haushalt leben
  • Unerwünschte Verhaltensweisen wie übersteigerter Sexualtrieb, Streunen, Harnmarkieren oder Aggressivität
  • Gesundheitliche Gründe wie Prostataerkrankungen, Hodentumore oder nicht abgestiegene Hoden
Zwei Möglichkeiten der Kastration

Das in den Hoden gebildete Geschlechtshormon Testosteron ist verantwortlich für den männlichen Sexualtrieb und die Produktion von Spermien. Die Testosteronproduktion kann auf zwei Arten unterbunden werden:

  • Chirurgischer Eingriff mit dauerhafter Entfernung der Hoden
  • Medikamentöse, vorübergehende Unterdrückung der Testosteronproduktion

Chirurgische Kastration

Bei einer chirurgischen Kastration entfernt der Tierarzt beide Hoden. Dieser Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt. Mit der chirurgischen Kastration wird der Rüde dauerhaft unfruchtbar und testosteronbedingte unerwünschte Verhaltensmuster können langfristig unterdrückt werden.

Medikamentöse Kastration

Die Produktion der Geschlechtshormone kann auch ohne chirurgischen Eingriff unterbunden werden. Ein kleines, resorbierbares (d.h. sich auflösendes) Stäbchen wird vom Tierarzt unter die Haut des Rüden implantiert. Dieses unterdrückt die Testosteronproduktion je nach Dosierung während 6–12 Monaten. Nach der Applikation kommt es für einige Tage zu einer erhöhten Produktion von Testosteron. Es kann sein, dass der Rüde während dieser Zeit eine gesteigerte sexuelle Aktivität oder Aggressivität zeigt. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten, sollte dies nicht tolerierbar sein.

Etwa 2 Wochen nach der Implantation sinkt der Testosteronspiegel im Blut deutlich. In dieser Zeit verkleinern sich die Hoden und das testosteronbedingte Verhalten des Rüden beginnt sich zu verändern. Bis er unfruchtbar ist, dauert es etwa 6 Wochen, da das bereits gebildete Sperma im Nebenhoden gespeichert und über diesen Zeitraum noch befruchtungsfähig ist.

Auswirkungen der Kastration…

… auf die Gesundheit

Kastrierte Rüden können sich nicht fortpflanzen. Sie erkranken weder an einem Hodentumor noch an einer Vergrösserung der Prostata. Gleichzeitig erhöht sich aber unter anderem das Risiko für Übergewicht, Fellveränderungen oder Harninkontinenz.

… auf das Verhalten

Das Verhalten des Rüden resultiert aus einem Zusammenspiel von Hormonen (Testosteron), erlernten Verhaltensweisen, Erziehung und Instinkt. Nicht-kastrierte Rüden können einen erhöhten Sexualtrieb zeigen, sie besteigen Gegenstände, Artgenossen oder sogar ihre Besitzer. Auch Markieren oder Streunen können störend sein.

Durch die Kastration verändern sich nur die Verhaltensweisen, welche abhängig von Testosteron sind. So kann beispielsweise ein testosteronbedingtes Harnmarkieren oder Besteigen minimiert werden. Bei letzterem kann es sich aber auch um ein spielerisches oder erlerntes Verhalten handeln, welches in diesem Fall durch eine Kastration nicht beeinflusst wird. Ebenso kann eine testosteronabhängige Aggression reduziert werden. Da Testosteron aber ein wichtiger Gegenspieler des Stresshormons Cortisol ist, kann die Kastration auch bewirken, dass sich bei unsicheren Hunden Angst und Aggression sogar noch verstärken.

Wann ist eine medikamentöse Kastration sinnvoll?

Kastration „auf Probe“

Ob und in welchem Ausmass Verhaltensprobleme durch die Kastration positiv verändert werden, kann nicht vorausgesagt werden. Auch kastrationsbedingte Nebenwirkungen wie unerwünschte Wesensveränderungen, Gewichtszunahme, Veränderungen des Haarkleides oder Harninkontinenz sind nicht vorhersehbar.

Viele Hundebesitzer ziehen zu Beginn die temporäre Kastration vor, da noch viele Fragen unbeantwortet sind. Wie wird sich das Verhalten des Hundes oder sein Interesse an Ausbildung oder Jagd verändern? Wird er möglicherweise sogar unsicherer im Umgang mit anderen Hunden?

Entscheidet man sich für eine chirurgische Kastration, ist dies ein irreversibler Eingriff. Eine spätere züchterische Nutzung des Tieres ist somit ausgeschlossen, mögliche kastrationsbedingte Folgen müssen oft aufwändig behandelt werden. Umgekehrt können erhoffte Veränderungen des Verhaltens, wie verringertes Sexualverhalten oder reduzierte Aggression, ausbleiben. Mit der medikamentösen Kastration wird die gleiche Wirkung wie mit der chirurgischen Kastration erzielt, mit dem Unterschied, dass sie vorübergehend ist. Sie eignet sich somit hervorragend, um im Vorfeld einer chirurgischen Kastration sowohl erwünschte Effekte als auch mögliche irreversible Folgen zu testen. Entwickelt sich der Hund wie gewünscht, kann eine endgültige Kastration vorgenommen werden. Entspricht das Resultat der medikamentösen Kastration nicht den Erwartungen, kann auf die Operation verzichtet werden.

Kastration für einen begrenzten Zeitraum

Soll sich der Rüde für einen begrenzten Zeitraum nicht fortpflanzen, weil er z.B. in der Pubertät steckt, in eine Hundepension soll oder noch nicht in der Zucht eingesetzt wird, ist die medikamentöse Kastration ebenfalls eine sinnvolle Alternative.

Kastration ohne Vollnarkose

Eine medikamentöse Kastration kann auch dann von Vorteil sein, wenn für den Rüden aus Altersgründen oder aufgrund seines Gesundheitszustandes eine Vollnarkose riskant wäre.

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