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Hygiene im Pferdestall

Eine saubere Sache

Viren, Bakterien und Parasiten fühlen sich in Schmutz und Dreck besonders wohl. Eine gute Stallhygiene erschwert daher das Entstehen und Ausbreiten von Krankheiten und ist entscheidend für das Wohlbefinden und die Gesundheit des Pferdes.

Ein bisschen Schmutz hier, ein paar herumliegende Strohhalme dort – das ist kein Problem. Stallhygiene bedeutet nicht, dass der Boxengang wie geleckt oder die Mistgabel auf Hochglanz poliert sein muss. Ein gewisses Mass an Sauberkeit und Hygiene im Stall ist jedoch für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Pferde unerlässlich. Die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes Hygiene lautet denn auch "Gesundheitslehre". Zu viel Schmutz und Dreck bieten Viren und Bakterien optimale Bedingungen zur Verbreitung von Krankheiten. Beim regelmässigen Saubermachen wird den Erregern die Lebensgrundlage entzogen.

Wie viel Hygiene nötig ist, hängt stark davon ab, wie gross und wie stabil ein Bestand ist und wie die Pferde gehalten und genutzt werden. Ein paar Grundregeln in Bezug auf die Sauberkeit sind jedoch in jedem Stall zu beachten.

Kühles, trockenes Stallklima ist ideal

Das tägliche, oft sogar mehrmalige Ausmisten ist heute in praktisch allen Pferdehaltungen üblich. Zu Recht, denn Rückstände wie Ammoniak, ein stechend riechendes, giftiges Gas, das durch Fäulnis von Einstreu und Kot entsteht, reizt die Atemwege und die Schleimhäute der Augen. Zusammen mit Feuchtigkeit (z.B. Wasser aus der Tränke oder Urin) bildet Ammoniak die starke Lauge Salmiakgeist, die mit ihrem hohen pH-Wert das Hufhorn und die Haut des Pferdes, zum Beispiel in der Fesselbeuge, angreifen und beschädigen kann.

Besonders stark ist diese Belastung in warmen, feuchten, stickigen Ställen mit schlechter Belüftung. Ein solches Stallklima begünstigt auch die Ausbreitung von Keimen und Schimmelpilzen, die den Organismus des Pferdes gleich mehrfach schädigen. Vor allem die Lunge und die Atemwege leiden und im schlimmsten Fall ist ein chronischer Husten die Folge. Auch Parasiten wie Strongyliden fühlen sich im feucht-warmen Klima wohl und erhöhen den Druck auf die Stallbewohner. Frischluft ist deshalb ein weiterer wesentlicher Bestandteil der allgemeinen Hygiene. In einem Pferdestall sollte die Luft kühl, trocken und immer etwas in Bewegung sein. Die Luftfeuchtigkeit, die man mit einem Hygrometer aus dem Baumarkt messen kann, sollte zwischen 60 und 80 Prozent liegen. Ein natürlicher Hinweis auf ein gutes Stallklima sind Spinnweben. Diese findet man nur, wenn die Luft gut ist und wenig Ammoniak enthält.

Schwalben ja, Ratten nein

Alte, verstaubte Spinnweben gehören jedoch nicht nur der Optik wegen entfernt – sie sind brandgefährlich. Es sind Fälle bekannt, in denen sie sich an Neonröhren entzündet und Stallbrände ausgelöst haben. Die «bewohnten» Netze hingegen leisten im Stall gute Dienste, denn Spinnen sind nützliche Fliegenfänger.

Auch die Schwalben, die gerne in Ställen nisten, können bleiben. Sie fressen massenhaft Insekten und ihr Kot ist für Pferde nicht gefährlich. Im Gegensatz zum Kot von Möwen und Enten, welcher Pferde krank machen kann. Auch Tauben übertragen Krankheiten und sind im Pferdestall nicht gerne gesehen.

Das Gleiche gilt für Ratten, die auf der Suche nach Futterresten gerne in den Futtertrog des Pferdes urinieren. Sie können dabei Leptospiren übertragen, die zu einer periodischen Augenentzündung führen können. Das beste Abwehrmittel gegen Ratten und Mäuse sind hungrige Stallkatzen.

Grossputz im Pferdestall

Zu den regelmässigen hygienischen Massnahmen gehören auch das wöchentliche Reinigen von Futtertrögen und Tränkebecken sowie das Waschen von Decken, Schabracken, Bandagen usw. je nach Verschmutzungsgrad.

Mindestens einmal im Jahr sollte ausserdem ein Grossputztag in der Agenda stehen. Für diesen gibt es auch den perfekten Zeitpunkt: Ein warmer, sonniger Tag im Frühling, sobald die Pferde ausgiebig ins Freie dürfen. Die Boxen oder der Laufstall werden dabei vollständig ausgeräumt und einer Komplettreinigung unterzogen. Denn Parasiten und ihre Larven halten sich nicht nur am Boxenboden auf, sondern kriechen an Holzwänden hoch und können vom Pferd wieder aufgenommen werden. Auch andere Keime haften gut an den rauen Oberflächen.

Am effizientesten rückt man dem Dreck und unerwünschten Mikroorganismen mit einem Hochdruckreiniger zu Leibe, bei starkem Schmutz verwendet man zusätzlich ein Reinigungsmittel. Wechselt der Bestand häufig, sind die Pferde oft krank, ist der Parasitendruck hoch oder grassierte kürzlich eine Pilzinfektion, empfiehlt es sich, den Stall anschliessend zu desinfizieren. Geeignete, biologisch abbaubare Desinfektionsmittel sind im Fachhandel oder beim Tierarzt erhältlich. Eine Desinfektion muss auch den hintersten Winkel im gesamten Stallbereich umfassen, sonst ist sie nutzlos. Also auch die Gerätschaften wie Mistgabel, Schaufel, Besen und die Schubkarre nicht vergessen. Und wenn man schon mal am Putzen ist, sollte man die Futter- und Sattelkammer inklusive des Sattelzeugs und der Putzkiste mit ihrem Inhalt gleich mit einbeziehen.

Wichtige Weidehygiene

Genauso wie Krankheitserreger und Parasiten nicht vor der Stalltüre Halt machen, sollten das auch die Hygiene-Massnahmen nicht. Ein gutes Weidemanagement reduziert den Wurmdruck auf den Pferdebestand deutlich und ist auch bei regelmässiger Entwurmung empfohlen. Dazu gehört das Einsammeln der Rossbollen, am besten täglich aber mindestens einmal wöchentlich, das Vermeiden von überbesetzen Weiden (mehr als 2 Pferde pro Hektare) sowie die alternierende Nutzung der Wiesenflächen, zum Beispiel durch Wiederkäuer oder zur Heuproduktion.

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